Arvid, der Küstenadler

Jagd und Nahrungssuche/ Beutetiere/ Jagdreviere

In einem kalten Winter benötigen die Adler besonders viel Energie für die Nahrungssuche.
Auf den vereisten Flächen gibt es häufig Auseinandersetzungen und Streit um die Beute.

Neben der eigenen Adlerkonkurrenz fordern sich auch Elstern und Krähen nachdrücklich ihren Futteranteil ein.

Immer wieder beeindruckend: der Jagdflug des Seeadlers.
Mit seinem idealen Körperbau, den kräftigen Fängen und der perfekt ausgerichteten Flugtechnik greift der Adler sicher die Beute aus dem Wasser.
Der Schnabel wird lediglich zum Zerkleinern und Fressen der Nahrung genutzt.

Mit weit ausgebreiteten Flügeln deckt der Adler seine Jagdbeute vor den anderen hungrigen Tieren ab.

Entwicklungsstadien vom Küken zum erwachsenen Adler

Die jungen Küken schlüpfen nach einer Brutzeit von ca. vierzig Tagen.
Sie sind mit schützenden Daunen bedeckt und auf die Versorgung der Eltern angewiesen.

Nach ungefähr 70 Tagen werden die jungen Adler flügge.
Das Dunengefieder ist durch das Federkleid ersetzt worden.
Sie bewegen sich noch weitere zwei Wochen als Ästlinge fort, bevor ihr erster Flug startet.
Durch die Beringungen werden wichtige Daten zur Entwicklung des Seeadlerbestandes gesammelt, z.B. über die Nahrungszusammenstellung, Anzahl und Gesundheitszustand der Jungvögel, unbefruchtete Eier oder Besonderheiten, wie lebende Bussardjunge im Horst (siehe QR 7, Seltene Beobachtungen)
Brutplätze und Horstbau

Hoch oben beginnen die Seeadler gemeinsam ab Januar mit dem Ausbau des Horstes für die Jungenaufzucht.

Bis zu 700 kg können diese Horste im Laufe der Jahre wiegen, da sie jedes Jahr erneut genutzt und erweitert werden.
Als Nistmaterial werden Äste und Zweige genutzt.
Zum Auspolstern sammeln die Adlereltern trockenes Gras und Moose.
Mit einem Durchmesser bis zu 2m haben auch zwei Jungvögel Platz zum Wachsen.
Die jungen Adler sind bis zum Ausfliegen sicher und geschützt in ihrem Adlerhorst.

Beringungsprojekte

Die Beringung der jungen Adler erfolgt in Deutschland seit 1981 nach gesetzlichen Bestimmungen. Dazu wurde extra ein Beringungsprogramm initiiert, welches von den Beringungszentralen der Länder koordiniert wird.
In ganz Europa gibt es Beringungszentralen, die die Daten sammeln und auswerten.
Hier erfolgt eine intensive Zusammenarbeit.

Sie dient dem Schutz dieser imposanten Vögel und lässt auf Zugrouten, Verhaltensweisen und Lebensraumveränderungen schließen.

Die Seeadler waren in Deutschland vom Aussterben bedroht. Um 1970 gab es in Deutschland nur noch ca. 70-80 Brutpaare. Davon 75 in der ehemaligen DDR und nur 4 Paare in Schleswig-Holstein.
Ab Mitte der 1970-iger Jahre wurde das Insektizid DDT in der Landwirtschaft verboten. Dieses Gift war die Ursache dafür, dass unsere Adler Eier mit sehr geringer Eischalendicke legten. Dadurch gingen die meisten Eier zu Bruch und es gab lange Zeit nur geringen Bruterfolge.
Durch ein DDT-Verbot und weitere Schutzmaßnahmen konnte sich der Bestand der Seeadler erholen und bis heute (2026) auf ca. 430 Brutpaare in Mecklenburg-Vorpommern und ca. 1200 Brutpaaren deutschlandweit ansteigen.

Ablauf einer Beringung:

1. Horstsuche durch ehrenamtliche Horstbetreuer im Januar,
Meldung an den zuständigen Landeskoordinator
2. Zusammenstellen eines Beringungsteams und Terminvereinbarung
(Kletterer/ Beringer/ Horstbetreuer/ Koordinator/ Förster/ Tierarzt/ggf. Waldeigentümer)
3. Beringung
Die Adler werden vorsichtig in einem Transportsack mittels Seil auf die Erde befördert.
Eine Beringung im Horst ist ebenfalls möglich, wenn es die Umstände erlauben.
Auf dem Waldboden werden die Jungvögel untersucht und registriert.

Es gibt zwei Ringe für jedes Tier:
Ein Ring ist messingfarben und trägt die Inschrift: Vogelwarte Hiddensee-Germany plus eine fortlaufende Nummer.
Der zweite Ring ist der Seeadler-Kennring. Er ist schwarz mit weißer Inschrift. Diese besteht
in MV aus zwei Buchstaben und zwei Zahlen.
Sie sind sehr groß und können mit einem Spektiv oder der Digitalkamera abgelesen werden.

Nach der Beringung werden die jungen Adler wieder vorsichtig hoch gezogen.
Der Kletterer empfängt die Tiere im Horst und legt sie wieder zurück.

Der ganze Prozess dauert ca. 10 Minuten.
Die Altvögel beobachten die Vorgänge meist aus der Ferne, ohne anzugreifen.

Die Jungvögel verhalten sich unterschiedlich.
Manche bleiben ruhig, andere wehren sich anfangs mit dem Schnabel oder den Fängen.
Nach der Beringung verlässt das Team rasch die Horstschutzzone und beobachtet den Horst von Weitem. Die Stressbelastung ist gering im Verhältnis zum Wert der Datengewinnung für den Schutzes der Tiere.

Die Altvögel fliegen unmittelbar nach der Beringung zum Horst und versorgen die Jungen.

Negative Auswirkungen der Beringung auf die Adler wurden noch nie nachgewiesen.

Jungenaufzucht

Weitere Adlerarten weltweit
(Quelle: Fischer,W. Die Seeadler,Die neue Brehm Bücherei,1995)

Adler werden in Echte und Unechte Adler unterschieden.

Biologische Erklärung:
Echte Adler (Aquila) unterscheiden sich genetisch von anderen großen Greifvögeln.

Echte Adler sind eine Gattung von Greifvögeln, die zur Familie der Habichtartigen gehört.
Es gibt 11 Arten von Echten Adlern.

Das sind:

  • Steinadler
  • Schreiadler
  • Kaiseradler
  • Steppenadler
  • Schelladler
  • Keilschwanzadler
  • Molukkenadler
  • Savannenadler
  • Walbergadler
  • Iberienadler
  • Klippenadler

Unechte Adler sind Vögel, die aufgrund ihrer Größe oder Erscheinung fälschlicher Weise als Adler bezeichnet werden aber nicht zur Gattung der Echten Adler (Aquila) gehören.

Dazu zählen einheimische Adler wie der Seeadler, Fischadler oder Milane die zu anderen Gattungen der Habichtartigen zählen.

Das sind:

Weißkopfseeadler
Lebensraum: Amerika

Riesenseeadler
Lebensraum: Asien. Bild

Bandseeadler
Lebensraum: Zentralasiatische Steppen
Weißbauchseeadler
Lebensraum: Indien/ Australien

Salomonenseeadler
Lebensraum: Salomonen (endemisch)

Schreiseeadler
Lebensraum: Afrika

Madagaskarseeadler
Lebensraum: Madagaskar (endemisch)

Der heimische Seeadler und der Riesenseeadler im Größenvergleich.

Adlerschutz

Seeadler sind verschiedenen Gefahren ausgesetzt:

  • Windräder
  • Bahnverkehr
  • Fischernetze oder Anglerzubehör im Meer
  • Vergiftung durch Blei
  • Wird ein verletzter Adler gefunden, kann er gerettet werden.

    Dazu gibt es in den meisten Bundesländern sogenannte Tierauffangstationen mit professionellen Tierärzten. Dort werden die Tiere untersucht und entsprechend versorgt.

    Das Tier erholt sich meist noch eine Zeitlang unter Beobachtung in einem separaten Gehege. Es wird beringt und manchmal auch besendert.

    Die Freilassung erfolgt kontrolliert durch ein Expertenteam in dem Gebiet, wo der verletzte Adler gefunden wurde.

    Was muss ich tun, wenn ich einen verletzten Adler finde?

    Die Unteren Naturschutzbehörden der Kreise kennen die zuständigen Seeadler-Koordinatoren und können den Kontakt vermitteln

    • Örtlichen Jäger oder Förster kontaktieren
    • GPS Daten vom Fundort bereitstellen (Handyortung)

    Wenn der Adler nicht gerettet werden kann, wird er im Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin wissenschaftlich untersucht. Die Daten gehen in die jahrzehntelange Forschung zu den Seeadlern ein.

    Seltene Beobachtung

    Durch die jahrzehntelange Beringung der Seeadler gibt es immer wieder seltene Beobachtungen:

    Kämpfende Seeadler im Wassergraben.

    Ein Seeadler beim Koten
    Ungewöhnliche Seeadleransammlungen im Winter
    Ein junger lebender Bussard im Seeadlerhorst über mehrere Wochen, bis zur Rupfung durch die Adler.
    Abgestürzte Horste nach einem Sturm mit lebenden Jungvögeln.